Bourgogne – Dordogne – Elsass 2023

Bourgogne – Dordogne – Elsass 2023

Freitag, 22. September 2023 – Fahrt nach Chablis – Camping du Serein

Pläne ändern sich, wenn wir inne halten, in uns hinein spüren und ehrlich einen Blick auf unsere Bedürfnisse lenken. Daher führt der Weg dieses Jahr noch einmal nach Frankreich ins Périgord – ein Ausflug für die Seele.

Der Verkehr meint es gut mit uns. Wir erreichen unser angestrebtes Ziel Challons en Champagne Mittags im Regen und entscheiden, weiter zu fahren. Die neue Camping Car App erleichtert die Suche nach einem schönen Platz.

Weinberge soweit das Auge reicht glitzern in der Sonne, die sich immer mal wieder durch die Wolken schummelt und die letzten Regenwolken vertreibt. Wir landen in Chablis – auch die goldene Pforte zum Burgund genannt, einem idyllischen Ort an der Serein, bekannt für seinen prestigeträchtigen Wein.

Mit dem Pass d’Ètappe öffnet der Automat problemlos die Schranke zum schon gut gefüllten Stellplatz. Die Sonne bestimmt die Wahl unseres Platzes und zehn Minuten später genießen wir unseren Kaffee vor dem Bus.

Der kurze Gang über den Platz dehnt sich, nach einem Plausch mit redefreudigen Campern, die diesen Platz noch unter einer bärbeißigen Besitzerin kannten, aus zu einem Bummel nach und durch Chablis. Ein Feinkostgeschäft mit regionalen Produkten, die Boulangerie und nicht zuletzt die, von dem redefreudigen Pärchen empfohlene, Boutique du Vin der Domaine La Roche lockt uns zum Einkauf eines köstlichen Abendessens. Da unsere Übernachtung inklusive Strom mit 14,44 € die Urlaubskasse kaum belastet, gönnen wir uns den Petit Chablis, der fast den gleichen Betrag aufruft. Käse, Baguette und Wein – Frankreich ist einfach lecker.

Samstag, 23. September 2023 – Chablis 

Nach einer ruhigen Nacht mit wenig Regen lümmeln wir im Bus. Die Heizung funktioniert, so dass die morgendlichen 10 Grad uns noch nicht nach Draußen locken. Doch dann verjagt die Sonne auch die letzten Wolken und begleitet uns bei unserem Bummel durch die Stadt.

Natürlich konzentrieren wir uns abermals auf unser leibliches Wohl, erwerben einige kulinarische Köstlichkeiten für den Abend und verwöhnen uns mit einem leichten Mittagessen in der Sonne mit Blick auf den historischen Stadtkern. Der Kellner überrascht uns mit einigen deutschen Sätzen und freut sich über unseren Einsatz, einige Tische für eine größere Gruppe Franzosen zusammen zu stellen.

Savoir de vivre: auch auf diesen Nebentischen landen einige Leckereien, Wasser, Wein und Apfelsaft für die Kids.

Die Natur rings um uns herum ist noch nicht im Herbst angekommen. Da wir immer noch etwas angeschlagen sind, schlendern wir zurück zum Stellplatz und platzieren unsere Stühle vor den Bus. Die neuen englischen Nachbarn schicken ihren Hund voraus und schon sind wir im Gespräch. Der Switch vom französischen ins englische fällt leicht beim Austausch der Erfahrungen auf der Insel.

Der Tag schenkt uns einen wolkenlosen blauen Himmel. Nach einer kurzen Recherche findet sich die morgige Route und der nächste Platz.

Sonntag, 24. September 2023 – Fahrt nach Donzenac – Camping La Rivière

Strahlend blauer Himmel, Sonne, 5 Grad. Perfektes Reisewetter! Von der Bourgogne geht es in die Dordogne.

Die morgendliche Frische nutzend, gehe ich jagen, während Michael ‚das bisschen Haushalt‘ macht. Meine Jagd auf dem großen Wochenmarkt ist von Erfolg gekrönt. Vorsichtig schiebe ich mich, nach allen Seiten spähend, durch die zahlreichen Menschen, um erneut schmackhafte Leckerbissen zu erbeuten. Egal, wo wir am heutigen Abend landen, wir werden nicht hungrig schlafen gehen.

Der Bus ist startklar. Nachdem ich den Kühlschrank gefüttert habe, füttern wir unseren Bus und dann schlängelt Michael 2 1/2 Stunden über die Landstraßen Richtung Autobahn. Der Weg führt uns durch Auxerre. Wäre auch ein beeindruckender Zwischenstopp gewesen. Nächstes Mal :-).

Heute ist der Weg das Ziel. Ich bekomme die 2 1/2 Stunden Autobahn. Um 17:00 Uhr erreichen wir den Stellplatz in Donzenac, entern einen der letzten zwei Plätze und genießen unser Abendessen in der Abendsonne. Ab jetzt geht es gemütlich weiter.

Montag, 25. September 2023 – Fahrt nach Montignac – Camping Le Moulin du Bleufond

Die allmorgendliche Frische begrüßt uns auch heute gepaart mit strahlend blauen Himmel. Der erste Kaffeegenuss erfolgt noch in der Koje aber die Heizung arbeitet schon. Wir füllen unsere Wasservorräte auf und machen den Bus fahrbereit. Für Michael ist danach ausruhen angesagt, doch mich zieht es den Berg hinauf zum historischen Stadtkern dieses mittelalterlichen Städtchens.

Die Schieferdächer schimmern in der Sonne und die fast ein Meter dicken Mauern der Gebäude verheißen eine angenehme Kühle im Inneren.

Wie das eben so ist, fällt mir eine Boulangèrie Artisan vor die Füße. Bevor ich mich auf den Rückweg mache, sorge ich noch für unser Mittagessen. Natürlich verlaufe ich mich in diesem kleinen historischen Stadtkern, doch ich gehe zur Kirche und finde den Weg zurück.

Heute fahren wir keine 50 km. Das malerische Montignac begrüßt uns am Fluss Vézère, ebenso wie eine Anzahl von Moskitos, die sich in kürzester Zeit satt essen und meine nackten Beine wie ein Streuselkuchen aussehen lassen. Michael verschmähen sie abermals. Wahrscheinlich dünstet er einen Geruch aus, der verkündet: ich bin krank.

Der Empfang am Campingplatz liegt einsam vor uns aber ein Schild fordert uns auf, einen Platz zu suchen, wo es uns gefällt und nachmittags noch einmal wieder zu kommen. Wir finden ein intimes Plätzchen, das sowohl Schatten als auch Sonne spendet und hoffentlich hinreichend weit weg vom Wasser ist, um nicht komplett von den Moskitos verspeist zu werden.

Nach einer ausgiebigen Dusche heißt es Fäden ziehen und tief durchatmen. Alles ist gut. Wir schlendern durch das etwas verschlafen wirkende Städtchen.

Nach dem Theaterfest am Wochenende haben die Geschäfte und Restaurants geschlossen. Bunte Fähnchen schmücken noch hier und da die Straßen und Häuser. Die Temperatur klettert auf 30 Grad, die Sonne brennt gnadenlos vom wolkenlosen Himmel auf uns nieder.

In Erwartung einer kühleren Umgebung betreten wir die Kirche und werden nicht enttäuscht. Die kühle Luft ist Balsam für die juckenden Mückenstiche.

Ein kleiner Lebensmittelladen öffnet für die Abendstunden seine Pforten. Durstig erwerben wir in Erinnerung an unsere Zeit in Paris vor über 20 Jahren eine Dose Bier 1664. Im Schatten der umstehenden Häuser prosten wir der Statue des Autors ohne Werk, Joseph Joubert, zu: „Zeichnen ist Sprache für die Augen, Sprechen ist Malerei fürs Ohr“. Trotz des Schattens spüren wir die 30 Grad.

Michael organisiert uns für morgen im Internet Tickets für eine deutsche Führung durch die Höhlen von Lascaux.

Es ist angerichtet: Wir sitzen gemütlich speisend vor unserem Bus und werden selbst zur Hauptspeise. Rund 60 Mückenstiche zähle ich am Abend und meine Brizzel-Maschine brizzelt solange bis die Batterie schlapp macht. Aber wir haben es geschafft, den Bus mückenfrei zu halten, so dass wir nach der Abkühlung ohne die gefräßigen Vampire in den Schlaf gleiten. Leider übermannt mich der Juckreiz in der Nacht und raubt mir immer mal wieder den Schlaf. Ich richte meinen Blick durch die Dachluke in die sternenklare Nacht und bringe erneut meine Brizzel-Maschine zum Einsatz, begleitet von den schnarchenden Klängen, die von der anderen Seite des Bettes zu mir herüber wabern. Besser als das Sirren der Mücken.

Dienstag, 26. September 2023 – Höhle von Lascaux – Moustiques, Moskitos, Mücken

Nach unserem morgendlichen Kaffee schlendern wir durch Montignac zum Nachbau der spektakulären Höhle von Lascaux, die von ein paar Jugendlichen Anfang der 40er Jahre zufällig entdeckt wurde.

Die Originalhöhle wurde in den 60er Jahren nach Millionen von Besuchern geschlossen, da die extreme Co2-Belastung der Besucher zu verschiedenen ‚Krankheiten‘ führte und die Höhlenmalereien verblassen ließen. Durch die akribische Dokumentation der Forscher nach der Entdeckung der Höhle, wähnen die Franzosen sich in der Lage diese ‚nachzubauen‘. Es wurde nicht gekleckert sondern geklotzt.

Eine überaus beeindruckende Präsentation dieser Höhle mit ihren kunstvollen, perspektivischen Malereien, welche auch eine mystische Atmosphäre kreieren, erwartet uns.

Nach rund 2 1/2 Stunden verlassen wir hinreichend beeindruckt vom Intellekt unserer  prähistorischen Vorfahren das Gebäude, welches vom norwegischen Architekt des ‚Nine Eleven Pavillons‘ gestaltet wurde.

Da wir ohne Frühstück gestartet und sich der Hunger meldet, suchen wir ein Restaurant, welches noch geöffnet hat. Mit „c’est finit“ werden wir immer wieder abgewiesen, denn die 14:00 Uhr Grenze ist weit überschritten. Ein letzter Versuch: der freundliche Kellner fragt nach und bietet uns den Salade de Périgord. Parfait! Die nötigen Kohlenhydrate ergänzen wir durch ein großes Bier. Kulinarisch und geistig satt schlendern wir zurück zum Platz. Mit langem Shirt, langer Hose und Socken versuche ich mich dem abendlichen Mücken-Buffet zu entziehen. 

Mittwoch, 27. September 2023 – La Roque Saint-Christophe – Camping Huttopia de Sarlat

Durch einen Plausch mit erfahrenen Berlinern erwartet uns heute ein weiteres kulturelles Highlight der Region. Doch zunächst führt unser Weg, die kulinarischen Highlights dieser Region nicht außer Acht lassend, zum Wochenmarkt in Montignac. Wir sammeln das ein oder andere ein und gönnen uns am Schluss ein spätes Frühstück in Form eines Bio-Vollkorn-Galettes mit Käse und anderen Produkten aus der Region, in Gesellschaft zweier Französinnen und den Klängen eines Akkordeon-Spielers. Französische, englische, deutsche Konversation begleitet unser Mahl. Nach einem Kaffee drängt der Aufbruch: bis 12:30 sollten wir den Platz verlassen. Die Französin unterbricht ihren Tanz, umarmt und küsst uns und fröhlich winkend verlassen wir diesen lebensbejahenden Markt.

Nach zwanzig Minuten Fahrt mit einem Ausflug in ein weiteres wunderschönes Dorf St. Leon de Vezère der Dordogne erreichen wir La Roque Saint-Christophe in Peyzac le Moustier.

Der 1 km lange und mehr als 80 Meter hohe Felsen in Roque Saint-Christophe ist die größte Höhlenanlage Europas. Wir haben diese Anlage fast für uns alleine und können uns bei dem Parkplatzangebot kaum vorstellen, wie sich die Massen von Menschen hier hindurch schieben. Erneut schließt sich eine Wissenslücke unseres kulturellen Erbes. 

Die Fahrt durch diese landschaftlich bezaubernde Region bringt uns zum nächsten Ziel: ein Campingplatz im Wald – die Temperaturen erreichen 30 Grad – 15 Minuten Fussweg von Salart de Canéda, ein weiteres, sehenswertes Städtchen auf unserem Weg, entfernt.

Die nette Dame an der Rezeption gibt uns einen Plan mit den freien Plätzen. Wir bummeln durch den Wald und suchen den Platz, der unseren heutigen Bedürfnissen entspricht. Et voilà! Wir haben einen Gewinner. Da wir aus den Augenwinkel weitere, potentielle Camper mit Plan entdecken, beeilen wir uns zur Rezeption zurück zu kehren und uns unseren Platz zu sichern.

Im Schatten der Bäume genießen wir die Ruhe – wir sind definitiv am Ende der Saison – und ein Glas des französischen Weines.

Donnerstag, 28. September 2023 – Sarlat de Canéda – Auberge Le Mirandol

Himmlische Ruhe umhüllt unseren Platz als die Sonne anfängt durch die Bäume zu glitzern. Die Dachluke ist mit einem Griff verdunkelt und wir gönnen uns noch ein Stündchen. Gemütlich mit einem Kaffee vor dem Bus im Schatten der Bäume starten wir in den Tag. Heute führt uns der Weg runter vom Hügel, in die liebevoll restaurierte Altstadt von Sarlat de Canéda zunächst in die umgestaltete Kirche am Place de Libertée. Hinter einer wirklich extrem großen Tür bieten Händler all die Leckereien an, die das Périgord Noir zu bieten hat. Unser Fokus richtet sich heute auf Köstlichkeiten, die wir mit nach Hause nehmen können.

Das nächste Ziel, die Auberge Le Mirandol befindet sich in einer charmanten Gasse. Höflich warten wir, dass die Kellnerin uns wahrnimmt und ich erfrage einen Tisch für Zwei. Wir bekommen ein schattiges Plätzchen und sind dankbar dafür, da das Thermometer schon wieder 30 Grad anzeigt. Da wir erneut das Frühstück ausgelassen haben, entscheiden wir uns für das drei Gänge-Menü mit den Spezialitäten der Region. Wie immer gibt es ordentliche Portionen zum Gläschen Wein und Wasser. 

Nach zwei Stunden und um nur 60,- € ärmer sind wir bereit für die Erkundung von Sarlat, das in den Sommermonaten hoffnungslos überlaufen ist. Aber genau wie in den letzten Tagen in den Höhlen und auf den Felsen schlendern wir fast allein durch die Gassen. Unzählige Restaurants und Geschäfte zeugen vom Touristenansturm während des Sommers. 

Abgekämpft ersteht Michael noch ein Baguette, welches er prompt in der Bäckerei vergisst. Die müden Füße schleppen uns den Berg hoch. Am Platz angekommen, vermisst Michael sein Baguette. Wir sind uns einig, dass wir heute den Berg nicht noch einmal bewältigen können. Und ich habe gefühlt genug für die ganze Woche gegessen. Wir gönnen uns ein kühles Bierchen an der Bar, nutzen das Internet und laden ein paar Fotos hoch. Michael hat Sorge, dass er an unsere ‚Souvenirs‘ geht und erwirbt im Campingplatz-Shop ein Knäckebrot.

Mir wird bewusst, dass „Huttopia“ so wunderbar ausgestattete Campingplätze in ganz Frankreich anbietet. Die nette Dame an der Rezeption schenkt uns eine Mitgliedskarte für ein Jahr und ein Couponheft. Im deutschsprachigen Prospekt entdecken wir Plätze, die auf unserem Rückweg liegen und noch geöffnet haben, denn die meisten Plätze in Frankreich schließen Ende September. Ein Déjà vu überkommt mich: im Frühling hatten wir bei unserer Reise durch das Loire-Tal ein ähnliches Problem: viele Campingplätze öffneten erst Anfang/Mitte April. Aber die Plätze, die wir mit dem Pass Étape, buchen können, sind auf die Sanitäranlagen ganzjährig geöffnet. Es gibt also immer eine Schranke hinter der wir unseren Bus parken können :-). Vielleicht trauen wir uns irgendwann, frei zu stehen.

Freitag, 29. September 2023 – Fahrt zum Chateau de Beynac – Fahrt nach Bergerac – Camping La Pelouse

Nach einer weiteren ruhigen Nacht erwartet uns auch heute eine entspannte Weiterreise. Bis 12:00 Uhr müssen wir dieses schattige Plätzchen verlassen also genießen wir wieder unseren Kaffee vor dem Bus, beobachten und kommentieren das Treiben unserer Mitcamper.

Wir sind in 5 Minuten startklar: Stromkabel einsammeln, Luken zu, Trittstufe einfahren, Sitze drehen, von den Keilen runter, fertig los.

Zwanzig Minuten rollen wir entlang der Dordogne zum Dorf Beynac und finden einen für Wohnmobile ausgewiesenen Parkplatz. So mögen wir das. Typisch deutsch nutzen wir unsere Lenkrad-Kralle bevor wir, jeder in seinem Tempo, den Anstieg in der gleißenden Mittagssonne in Angriff nehmen. Das Schloss thront über dem Städtchen. Die Gassen bieten auch hier immer mal wieder Schatten.  

Dieses Chateau de Beynac, ich möchte es lieber eine Burg nennen, nach der Betrachtung der Kampfzonen innerhalb und außerhalb des Gemäuers. Doch neben der Wehrhaftigkeit beeindruckt das Schloss, in welchem zeitweise auch König Löwenherz genächtigt hat, durch seine Großzügigkeit der Gestaltung der Wohnräume aber auch durch die Behausung der Pferde und Wachen innerhalb der mächtigen Burgmauern.

Mit unserem Audio-Guide können wir uns im Innern und im Außenbereich frei bewegen und genießen die spektakuläre Aussicht.

Nachdem der Kulturhunger gestillt ist, gönnen wir uns ein Stück Quiche auf die Hand, bevor es vorbei an den entgegenkommenden, schnaufenden Menschen – 30 Grad, keine Wolken – nach unten geht. Unser nächstes Ziel ist Diesel für den Bus und Wasser für uns. Die Tankstellen am Intermarché sind ausgesprochen günstig und die Parkplätze großzügig bemessen.

Nach diesem kurzen Stopp suchen wir in Bergerac unseren Campingplatz, der sich mitten im Wohngebiet am Fluss befindet und uns mit einer langen Schlange vor dem Platz begrüßt. Ob wir da wohl noch einen Platz bekommen? Ich springe aus dem Bus und positioniere mich in der Schlange an der Rezeption, während Michael den Bus vor der Schranke vorwärts schiebt. Die Aktionen meiner Vorgänger beobachtend, erkenne ich, dass ein ACSI-Mitglied weniger zahlt und eine schnellere Bearbeitung möglich ist. Die Karte ist im Bus. Eine kurze Nachricht mit Anweisungen per Whatsapp und Michael erscheint auf der Bildfläche.

Ich bin an der Reihe, frage nach einem freien Platz und rattere die Eckdaten runter. Mein Joker ist die Information Camping Car six mètre. Die ‚Schiffe‘, die vor uns standen, waren alle mindestens 7,50 Meter. Dann zücke ich meine ACSI Karte und ein freudiges Lächeln erscheint bei meinem Gegenüber. Wir bekommen einen der letzten Plätze. Nicht besonders schön aber schattig und günstig gelegen.

Wir bummeln erneut an der Dordogne entlang Richtung Stadt. Nach dem schick restaurierten Sarlat hat es Bergerac schwer, uns ein Ah und Oh zu entlocken.

Wir wissen, dass Cyrano de Bergerac, den es wirklich gab, niemals in Bergerac gewesen ist. Trotzdem haben sich die Einwohner entschieden, den Fragen der Touristen zu entgehen, indem sie gleich zwei Statuen von ihm aufstellten. Eine steht vor einer schönen Kirche.

In der Abendsonne wandern wir zu unserem bis auf den letzten Meter gefüllten Platz zurück und sind konfrontiert mit lärmenden Nachbarn, welche mit ihrer plärrenden Musik und dem lauten Gejohle den halben Platz beschallen. Naja, um 22:00 soll Platzruhe herrschen.

Samstag, 30. September 2023 – Bergerac

Nach einer überraschend ruhigen Nacht tuckern ab 7:00 Uhr die ersten Wohnmobile vom Platz. Bis wir startklar für den Wochenmarkt rund um die Kirche Notre Dame herum sind, hat sich der Platz zu 2/3 geleert, nur um bis zum Abend wieder auf’s Neue gefüllt zu werden.

Richtung Markt bemerken wir in einer wenig belebten Gasse an einem Platz, ein schönes Lokal mit einem ansprechenden Außenbereich unter einem großen, schattenspendenden Baum. Wir merken uns diesen Platz und sind fest entschlossen ohne Reservierung, dort nach dem Bummel über den Markt unser Glück zu versuchen.

Die Häuser, nicht alle ganz so schick restauriert, haben dennoch hier und da ihren ganz eigenen Charme. Der Wochenmarkt deckt unsere Bedürfnisse für die nächsten Tage, wenn wir uns gemütlich auf den Rückweg machen.

Möge das Glück mit uns sein. Die erste Frage, ob wir reserviert haben, wird mit einem sorgenvollen Blick, der über die Tische schweift, begleitet. Unsere klägliche Verneinung schwebt noch in der Luft als die Dame uns bedeutet, ihr zu folgen und uns einen Tisch im Schatten anweist. Der Blick in die Speisekarte lässt auf ein kulinarisches Mahl schließen. Unsere Erwartungen werden übertroffen, einmal mehr bereuen wir es nicht, auf das Frühstück verzichtet zu haben. Das 3-Gänge-Menue beginnt mit einem Salat Périgorine. Salat ist noch die geringste Zutat in dieser Speise. Michael kann der Versuchung, sein Essen zu fotografieren, nicht widerstehen.

Sowohl das Hauptgericht als auch der Käse-Nachtisch hinterlässt ein Gefühl der genüsslichen Sättigung. Jetzt müssen wir natürlich noch ein wenig durch Bergerac schlendern und hier und da in den Geschäften stöbern. Dies macht durstig. Nachdem unsere Wasservorräte aufgebracht sind, landen wir in einer gemütlichen Tee-Stube. Die kleinen Sanduhren für drei, vier, und fünf Minuten lassen mich an meine Yin Yoga Klassen denken. Michael durchstöbert erfolglos den dazugehörigen Laden. Erst nach einer Nachfrage an der Kasse zaubert die Verkäuferin das Nachfolgemodell hervor, das Michael sofort erwirbt. Et voilà: die nächste Yin Klasse begleite ich nicht mit der Handy-Uhr sondern mit farbenfrohen Sanduhren :-).

Zurück am Platz plärrt erneut die Musik des Nachbarn zu uns herüber. Ergänzt durch dicke Rauchschwaden, die ebenfalls in unsere Richtung schweben, macht es uns schwer vor dem Bus zu entspannen. Morgen treten wir gemütlich den Rückweg an und werden uns aus dem Huttopia-Prospekt einen ruhigen Platz suchen.

Sonntag, 01. September 2023 – Fahrt nach Royat – Camping Huttopia

Wir starten früh, kommen am frühen Nachmittag in der Auvergne an und können uns einen schönen schattigen Platz aussuchen. Ein Kätzchen streicht um unseren Bus herum.

Wir richten uns ein, bereiten das Essen vor und lassen es langsam von sich hin köcheln.

Angelockt von den Nahrungs-Düften bleiben immer mal wieder ein paar Camper bei uns stehen und versuchen, sich später zum Essen einzuladen. Heute knacken wir abermals die 30 Grad-Marke. Die Bäume um uns herum spenden genügend Schatten und bewerfen uns hin und wieder mit Kastanien.

Ich nutzte die Zeit, um unsere Erlebnisse der letzten Tage festzuhalten. In der Abendsonne schlendern wir noch einmal über den Platz. Große und kleine Schiffe, Dachzelte und Wohnwagen haben sich in diesem Hafen eingefunden. Einige erkennen wir wieder, da wir sie auf der Autobahn überholt haben oder auf der immer steiler und enger werdenden Straße zu unserem Campingplatz umkehren mussten, nachdem sie uns erklärten, dass es schwierig wird bzw. unmöglich für sie war. Unser kleines Baby schafft jede noch so enge Kurve und verzwickte Einbuchtung.

Montag, 02. Oktober 2023 – Royat

Unsere Nachtruhe wird weder durch die umliegende Camper noch durch übermäßige Wärme gestört. Wir lümmeln uns, einmal mehr mit unserem Kaffee, vor dem Bus in den Tag und beobachten die abfahrenden Camper. Wir fahren erst morgen weiter. Heute sind wir faul. Naja fast. Auch wenn uns der steile Berg gestern ein wenig verschreckt hat, möchten wir auch dieses Städtchen, das bekannt ist für seine Therme, ein wenig erkunden. Ohne Frühstück bei schon 25 Grad geht es runter bis zum Kreisverkehr, wo wir abgebogen sind Richtung Campingplatz und weiter runter.

Die Sonne brennt, keine Wolke am Himmel. Wir nehmen einen Weg durch den Park zur Wehrkirche. Es gibt tatsächlich zu Michaels großer Freude einen gläsernen Aufzug hinauf. Ich nehme die Treppe und bin, obwohl ich mir noch, die auf dem Weg liegende Grotte anschaue, schneller an der Kirche.

In der Kirche gönnen wir uns eine Abkühlung bevor wir uns auf den schweißtreibenden Rückweg machen. Zum Glück ist noch etwas von dem leckeren Essen gestern übrig. Im Camping-Shop erwerben wir noch eine Flasche IPA. Die nette Dame an der Rezeption macht uns darauf aufmerksam, dass der Platz ausgebucht ist, da morgen eine Argriculture-Messe stattfindet in Clermont-Ferrat. Wir sollten nicht zu spät aufbrechen, da ein höheres Verkehrsaufkommen erwartet wird.

Dienstag, 03. Oktober – Fahrt nach Meursault – Huttopia Camping

Wir starten um 9:40 Uhr. Zunächst manövriere ich unser Schätzchen zur Entsorgungsstelle. Michael versucht mich nicht ständig anzuschreien, während ich uns anschließend durch die engen Straßen manövriere. Ich hatte gestern eine andere Route, die uns früher zur Autobahn führen sollte, rausgesucht. Da die Navigation auf dem Beifahrersitz ineffizient ist, gifte ich zurück. Auf der Autobahn kommen wir beide wieder runter. Das gehört eben auch dazu. Das kennen wir schon. Die letzten 100 km schlängeln wir uns durch die Dörfer. Ich halte an einer Bäckerei, hole uns ein paar Leckereien und überlasse einem dankbaren Michael den Fahrersitz.

In Meursault angekommen, übersehen wir das Schild complet/full und stolpern arglos in die Rezeption. Wie üblich frage ich nach einem Platz aber die holländische junge Frau erklärt mir in englischer Sprache, dass sie noch nicht so gut französisch spricht. Sie hatte einige Jahre Deutschunterricht in der Schule, doch da sie sich nun auf Französisch lernen konzentriert, fällt es ihr schwer, sich zu erinnern. Pas grave – nicht schlimm. Dann eben in Englisch. Dann kann Michael auch ein wenig mitmischen. Ein Blick auf unseren Bus und der Griff nach dem Plan stimmt uns zunächst optimistisch. Aber nur zunächst.

Sie erklärt uns, das der Platz sehr uneben ist und wir ihn lieber erstmal anschauen sollten. Zwei Plätze haben wir zur Auswahl. Einer ist uneben und leicht abschüssig: da würde ich Nachts auf Michael rollen. Der andere ist noch unebener und noch abschüssiger. Das würden unsere Keile nicht ausgleichen können. Wir verwerfen den Gedanken an zwei Übernachtungen als wir dort oben an der Mauer diskutieren und den Verkehr auf der Straße sehr deutlich wahrnehmen. Weiterfahren wollen wir aber auch nicht mehr. Wir entscheiden uns für das kleinere Übel. Die junge Dame an der Rezeption bietet uns weitere Keile an, schlägt uns vor, erst einmal unseren Bus in eine gute Position zu bringen und anschließend zu zahlen. Es tut ihr wirklich sehr leid.

Wir brauchen zwei Anläufe bis die kleine Wasserwaage und die Liegeprobe uns überzeugt, dass wir heute Nacht hier schlafen können. Bei unserem angeschlagenen Keil habe ich ein leichtes Knacken vernommen. Eine Notiz an mich: Gaffertape. Also noch einmal zur Rezeption. Ein weiteres Wohnmobil erreicht die Schranke. Der Fahrer erkundigt sich nach einem freien Platz und wird ebenfalls den Berg herauf geschickt. 7,5 Meter: niemals passt er auf diesen Platz. Wir bekommen einen Stempel in unserem Gutscheinheft und während wir zahlen, kommt der Camper zurück. „Ist leider zu klein.“ Und zu abschüssig, füge ich im Geiste hinzu.

Wir wandern im leichten Nieselregen durch die Weinberge ins Dorf hinunter – natürlich geht es auf dem Rückweg wieder bergauf – aber auch das kennen wir ja schon. Dieser kleine Ort ist wirklich sehr lieblich, nicht so wehrhaft wie die Festungsdörfer an der Dordogne. Die Restaurants öffnen erst wieder um 19:00 Uhr. Wir überlegen kurz, schauen auf den Regenradar. Nochmal im Regen den Berg runter?

La Boulangerie et la boucherie sont ouverts. Wir entscheiden uns für Croissants, Baguette und Lachsquiche. Ein weiteres Geschäft verspricht Wein aus der Region. Wir zögern ein wenig. Wir sind wieder in der Bourgogne: das heißt Chardonay, Pinot Noir, Grand Cru Weine und grand prix. Unser Stellplatz verspricht eine wenig angenehme Nacht. Da können wir ein bißchen Unterstützung gebrauchen, also gönnen wir uns eine Flasche Wein – aber keinen Grand Cru.

Der Regen verschont uns, doch es kühlt ab. Wir verbringen einen gemütlichen Abend im Bus. Und tatsächlich quetscht sich ein weiteres großes Wohnmobil auf den letzten Platz – Kofferraum werden wir wohl nicht mehr öffnen können.

Mittwoch, 04. Oktober 2023 – Fahrt nach Colmar – Huttopia Camping d’Ille

Der Straßenlärm weckt mich früh und der darauffolgende Müllwagen läßt mich nicht mehr in den Schlaf gleiten. Michaels Schnarchen hilft auch nicht – aber wenigstens schläft einer. Wir starten auch heute frühzeitig. Während wir Kaffee trinken, machen wir den Bus startklar. Ich erfahre, dass unsere Mitcamper in Hanglage auch keine gute Nacht hatten. Aber für die nächsten zwei Tage haben sie einen Platz im unteren Teil reserviert. Das freut mich. Ich fahre von den Keilen, repariere mit Gaffertape die Brüche, wünsche eine weitere schöne Zeit und schon tuckern wir um 9:30 vom Platz. Heute fahren wir fast nur Autobahn und erreichen Colmar um 12:30 Uhr. Eine lange Schlange erwartet uns vor diesem Citykamp-Platz. Wir haben nicht reserviert. Wieder einmal stehe ich in der Schlange an der Rezeption und wieder einmal belausche ich die Mitcamper. Alle haben reserviert.

Als ich an der Reihe bin, nehme ich mir die Zeit freundlich zu grüßen und zu fragen, wie es geht. „Ca va, merci“, lächelt mir die Dame entgegen. Ich erfrage einen freien Platz und da wir so früh dran sind, gibt es noch freie, nicht reservierte Plätze. Mein Vorgänger hat seinen Platz gegen einen Platz am Fluss getauscht. Ich hätte auch gern une place chez la rivière. Der ist plus chère aber immer noch günstiger als jeder Platz in Deutschland. Also greife ich zu und 10 Minuten später sitzen wir gemütlich vor unserem Bus in der Sonne. Auf meiner Bonuskarte landen nach kurzen zögern zwei weitere Stempel.

Donnerstag, 05. Oktober 2023 – Colmar

Heute weckt uns die morgendliche Frische. Einer muss die Koje verlassen und die Heizung anstellen. Da ich nicht mehr dem Rauschen der Autobahn lauschen möchte, übernehme ich die Aufgabe. Mit den ersten Sonnenstrahlen, die sich durch die Wolken kämpfen, bummeln wir nach Colmar und tauchen ein in die Welt der Fachwerkhäuser, ins Petite Venise – Kleine Venedig.

Auch hier hält sich der Touristenansturm in Grenzen, so dass wir entspannt durch die Gassen schlendern und die Kathedrale besichtigen können.

Wir legen einen kleinen kulinarischen Zwischenstopp ein und futtern uns durch die Markthalle, bevor wir weiter Colmar erkunden und schließlich mit müden Füßen in unseren Barfuß-Schuhen zum Platz zurück schlendern.

Die abendliche Frische treibt uns in den Bus. Wir genießen Wasser und Wein im kuschlig warmen Bus.

Freitag, 06. Oktober 2023 – Fahrt nach Straßbourg – Huttopia Camping

Heute morgen kümmern wir uns zunächst einmal um unseren Bus, genauer gesagt um sein Innenleben. Wir fluten die Schläuche mit wasserverdünnter Zitronensäure, so dass sich während unserer Fahrt wunderbar mögliche Kalkablagerung lösen und alles schön gereinigt wird. Etwas Zitronensäurewasser lassen wir durch die Schläuche in den Abwassertank laufen. Alle Tanks werden so auf unserer vielleicht Abschlussfahrt in diesem Jahr schonend gereinigt. Aber wer weiß, was der Herbst und Winter noch an sonnigen Tagen für uns bereit hält.

In Strasbourg angekommen, geistesgegenwärtig habe ich nach meinen Erfahrungen in der Schlange, in Colmar vor zwei Tagen unseren letzten Stopp sofort online gebucht, erschreckt uns das Schild complet/full/ausgebucht nicht. Allerdings bekomme ich keine Stempel, da auf den citynahen Plätzen am Wochenende immer Hochsaison herrscht. Jetzt verstehen ich das Zögern der Dame in Colmar.

Nach der Anmeldung steuern wir sofort die Entsorgung/Versorgung an. Lassen Wasser ab, spülen durch und füllen unseren Bus mit Frischwasser.

In einer vielgelobten Bäckerei erwerben wir diesmal keine Quiche und Käsecroissants sondern Salat. In der Sonne vor dem Bus schauen wir den ankommenden und aufbrechenden Mitcampern zu und kommen wie immer mit einigen ins Gespräch.

Nachmittags erreichen wir im zügigen Schritttempo die Stadt, bummeln ein bisschen herum und schlemmen uns durch das Menü im ‚Au Petit Bois Vert‘ mit einer Flasche Riesling Grand Cru ausnahmsweise.

Auf dem Hinweg wurden wir von einer asiatischen Gruppe nach dem Weg gefragt. Mit Google Maps konnten wir in englisch und französisch helfen. Auf dem Rückweg stoppt eine Fahrrad-Fahrerin vor uns und fragt uns nach dem Weg zum Bahnhof. Wir bemühen Google Maps, „left“ erklärt Michael. Nach dem fragenden Blick der jungen Frau ergänze ich: „à gauche“. „D’accord, merci“. Erfreut radelt sie davon. Offensichtlich werden wir nicht als Touristen wahrgenommen.

So langsam nähert sich auch diese so wundervolle Reise dem Ende. Dankbar und ein wenig traurig lassen wir den Tag vor dem Bus ausklingen. Auch die Abende werden immer frischer.

Samstag, 07. Oktober 2023 – Strasbourg

Wir bummeln in den Tag und durch Strasbourg. Erfreuen uns kulinarisch noch einmal im ‚Au Petit Bois Vert‘, lassen den Trubel der Stadt hinter uns und bereiten unseren Bus für die Heimreise und die anstehende Inspektion vor.

Wie immer wenn die Saison zu Ende geht, ist ein bisschen Wehmut dabei. Per WhatsApp meldet sich das Paar, dass wir gestern kenngelernt haben. Sie sind heute morgen schon Richtung Heimat getuckert und beim Zwischenstopp in Wetzlar ankommen. Wir wollen uns einmal in Minden treffen. Vielleicht beschenkt uns der Herbst mit gutem Wetter.

Sonntag, 08. Oktober 2023 – Fahrt nach Hause